Geheim

Dies ist eine der ersten Versionen des Gedichts.
Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind nicht zufällig, sondern total beabsichtigt.

 

 

Der Gagahof

(extended version)

Im Süden steht ein Bauernhof,
den fanden alle Bauern doof.

Die allgemeine Meinung war:
Die Tiere dort sind sonderbar!

Die tun ja gar nicht, was sie sollen!
So was kann doch kein Bauer wollen!

Die haben hundert Tricks auf Lager,
der ganze Hof ist total gaga!

Kein Bauer hielt’s dort lange aus
ein jeder nahm bislang Reißaus.

Die Tiere fanden das famos,
drum war der Hof lang bauernlos.

Doch eines schönen Tags im Mai
kam eine Frau am Hof vorbei.

Der Hof kam ihr bezaubernd vor,
drum klopfte sie beherzt ans Tor.

Zuerst gab’s einen Mordsradau,
dann öffneten ihr eine Sau

und eine elegante Ziege
mit einer rosaroten Fliege.

Die Ziege fragte: „Kann ich Ihnen,
oh gute Frau, mit etwas dienen?“

Die Frau erwiderte: „Wie schön!
Kann ich mal euren Hof ansehen?“

Die Ziege sagte: „Mit Vergnügen!
Wir leben hier äußerst gediegen.

Willkommen im Gaga-Revier!
Ich heiße Iris, folge mir!

Der ganze Hof ist riesengroß,
in jeder Ecke ist was los.

Und alle sind sehr gut gekleidet,
wir werden deshalb oft beneidet.

Wir tun, wonach der Sinn uns steht,
deshalb hält man uns für verdreht.

Das ist uns aber ganz egal,
was ist denn schließlich schon normal?

Zum Beispiel Martin, unser Hund,
er ist doch nicht verrückt, nur bunt!

Felipe heißt der schwarze Kater,
er hat ne Glatze wie sein Vater.

Sein bester Freund ist zweieinhalb:
Es ist Maxime, das Cowboykalb.

Und Julia, die Mamakuh,
trainiert den ganzen Tag Kung Fu.

Zur Essenzeit ertönt ein Gong,
den schlägt immer die Kuh Ji-Young.

Das Lieblingsessen uns’rer Kühe
ist übrigens Gemüsebrühe.

Ganz fleischlos lebt auch Jens, der Hahn,
das Tier ernährt sich streng vegan.

Und auch das schlaue Rehlein Sigrid
mag weder Leberwurst noch Aufschnitt.

Schwalbe Ulli schmiert immer Stullen,
die deliziös sind, für alle Bullen.

Lamm Moritz isst sehr gerne Seefisch,
das hat nen Grund: Moritz ist griechisch.

Da hinten steht ein blaues Schwein:
Der Thomas trinkt am liebsten Wein.

Und Armin, dieser sture Bulle,
trinkt immer direkt aus der Pulle.

Sein Freund, der Mirko, ist ein Eber,
und arbeitet als Tonangeber.

Auch Jonas ist ein Borstentier,
legt Platten auf bis nachts um vier.

Das hübsche Fohlen ist Marlene,
im Haar hat sie ne lila Strähne.

Und Goldfisch Malin hat vier Flossen
mit vielen roten Sommersprossen.

Ganz drollig ist Markus, der Hase,
er trägt ne Brille auf der Nase.

Da kommst schon Julian, das Schaf.
Er ist des Hofes Fotograf.

Auch seine Frau ist stets im Bilde,
Schaf Tanja ist ne ganz ne Wilde.

Die Saskia ist ein talentiertes Schwein
und sehr bekannt für Schmuckdesign.

Und auch Denise, das kleine Schweinchen,
schleift sehr gekonnt die Edelsteinchen.

Der Steffen ist ein Auerhahn
und Möbel ham’s ihm angetan.

In seiner Gang sind keine Chicks,
doch dafür gar zwei Dominiks!

Die beiden Dommis sind sehr cool
und machen regelmäßig Stuhl.

Die Pute Elja sagt oft “Fuck”
und geht gern Gassi mit Hund Jaques.

Begleitet von Kerstin, der Stute,
wenn Jaques kackt, zieht sie eine Schnute.

Vielleicht erkennen Sie die Ente:
Gertrude ist ne Prominente!

Ein Pianist ist Marc, der Stier.
Im Kuhstall hat er sein Klavier.

So wie die prominente Ente
spielt er ne Menge Instrumente.

Oft gibt am Hof es ein Konzert,
am Kontrabass: Peter, das Pferd,

und Zicklein David spielt Trompete.
Fast jede Woche steigt ne Fete.

Und dann tanzt Jonathan, die Gans,
ganz supercool den Ententanz.

Dafür bekommt er viel Applaus
von Mara, einer pinken Maus.

Die Stimmung macht Sissi, das Schweinchen,
sie trinkt mit jedem ein paar Weinchen.

Die Party-Organisation
macht Judith Fuchs per Telefon.

Kultur ist wichtig, doch wir wissen,
dass wir uns auch bewegen müssen.

Am Morgen macht Petra, die Ratte
den Fisch auf ihrer Yogamatte.

Gelegenheit zum Sandsackboxen
gibt’s in der Scheune für die Ochsen.

Ann misst sich gern mit andren Hennen
im monatlichen Hennenrennen.

Die Hühner spiel’n im Hühnerstall
auch hin und wieder Federball.

Nur Huhn Sophie ist nicht mehr da,
sie gackert jetzt in USA.

Zweimal pro Woche können Hasen,
zum Fußballspielen auf den Rasen.

Doch Gruppensport ist nichts für Schweine,
sie meditieren gern alleine.

Riccarda von den Eso-Schweinen,
versorgt den Hof mit Heilungssteinen.

Bei guter Thermik sind die Ziegen
ziemlich wahrscheinlich segelfliegen.

Nur ich nicht, ich hab keinen Bock,
ich reite lieber um den Block.

Und zwar auf Jessica, dem Pferd.
Das hat mich Petra einst gelehrt.

Doch muss man auch auf Pferderücken
mit Eleganz und Stil entzücken.

Deshalb tragen die meisten Ratten
zum Reiten ihre Reit-Krawatten.

Zudem sieht man hier alle Rinder
im grünen Frack und mit Zylinder.

Außer Johannes, denn das Rind
ist von Geburt an farbenblind.

Drum hilft Kuh Anika den Stieren
den Stall kariert zu dekorieren.

Ich könnte noch viel mehr erzählen,
doch will ich Deine Zeit nicht stehlen.“

 „Nein“, rief die Frau, „Es ist so schön!
Ich möchte nie mehr wieder geh’n!

Ich bin ganz ehrlich. Es ist so:
Bei mir Zuhaus war ich nicht froh.

Ich bin daheim ein Sonderling,
denn reimen ist genau mein Ding.

Ich wurde deshalb ausgelacht,
drum habe ich mich aufgemacht,

um mich woanders einzurichten,
wo man mich nicht verlacht fürs Dichten.

Kann ich nicht einfach bei Euch bleiben?
Ich kann Euch ja Gedichte schreiben!“

Dann holte sie nen weißen Kasten
hervor, mit vielen schwarzen Tasten

und einem großen Monitor,
den Tieren kam das komisch vor.

Sie guckten alle skeptisch drein,
dann sagte streng das Oberschwein:

„Das Ding ist uns nicht ganz geheuer.
Kann man das essen? Macht es Feuer?“

Da lachte sie. „Nein, keineswegs!
Das ist fürs Schreiben unterwegs.

Es kann auch viele andre Sachen,
Ihr müsst Euch keine Sorgen machen.

Computer nennt man die Maschine.
Und übrigens: Ich bin Sabine.“

Da plötzlich lächelten alle Tiere,
sogar die sonst so ernsten Stiere.

Die Mamasau erhob das Wort:
„Wir bitten dich, geh bloß nicht fort.

Wir brauchen eine Dichterin!
Das wär für alle ein Gewinn.“

So kam es, dass Sabine blieb
und jeden Tag Gedichte schrieb.

Die zeigte sie dann ganz kokett
in einem Blog im Internet.

Und plötzlich war im ganzen Land
der Gagahof total bekannt.

Die Tiere waren schwer entzückt,
niemand hielt sie mehr für verrückt.

Die allgemeine Meinung war:
Die Tiere dort sind wunderbar!

Die sind nicht gaga oder schräg,
sie gehen ihren eignen Weg.

Und alle wollten auch so sein
wie Katze, Ziege, Hund und Schwein.

Jetzt waren sie auf einmal Stars,
weil sie so waren – und das war’s.

Die Tiere feierten ein Fest,
eine Legende ist der Rest.

Und wenn sie nicht gestorben sind,
kennt sie heut wirklich jedes Kind…

Was lernen wir vom Gagahof?
Anders zu sein, ist gar nicht doof!

Man braucht dazu nur etwas Mut,
dann wird am Ende alles gut.

 

Dies ist eine der ersten Versionen des Gedichts.
Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind nicht zufällig, sondern total beabsichtigt.